Ausgelöst wurde alles in einem Forum (folgende Zitate gehen nicht darauf zurück!), in welchem es einen Thread zu DSDS 2010 gab. Dabei hat meine Gedankenflut eigentlich wenig (sehr wenig) damit zu tun. Es geht auch nicht zwingend um die dortigen Kandidaten, dort wurzelte nur die Diskussion, die mich persönlich arg erschrecken ließ und wohl doch in unserem Land weit verbreitet ist, sollte man dem Internet glauben.
Ich weiß, dass ein entsprechender Kandidat namens Menowin die Gemüter spaltet und ich bin auch kein Fan von ihm. Aber es erschreckt mich, wenn ich ehrlich bin, wie aus Antipathie Knastgelüste werden. Einem Menschen (ohne strafbare Handlung nachgewiesener Art) den Knast zu wünschen, ist für mich eben nicht nachvollziehbar. Und wenn ich solche “Karrieren” sehe, wie sie in den Medien verheizt werden, werd ich um so nachdenklicher.
Man liest:
Einmal Knasti, immer Knasti
Zurück in den Knast – am besten sofort
Selber schuld, man kann sich immer zwischen Gut und Böse entscheiden
Ich frag…..
Ist das so? Ja wirklich? Oder ist das nur die Interpretation einer gescheiterten Gesellschaft? Wenn sich jeder für den blumigen Weg entscheiden kann, warum tun es so viele nicht? Was weiß Otto – Normalo schon von manch einer Lebensgeschichte? Was wissen wir von gezeichneten Seelen? Interessiert es uns wirklich oder nehmen wir nur kurz Notiz, um es sofort wieder zu verdrängen?
Joy Fielding schrieb:
Schließlich sind wir alle das Produkt unserer Kindheit. Alles, was wir als Erwachsene werden, geht darauf zurück, wer wir als Kinder waren, wie wir behandelt wurden und was unsere Ideen und Werte geprägt hat. Wir sind, wer wir waren – nur größer.
Sind wir das, was aus uns gemacht wurde oder sind wir das, was wir tun? Oder tun wir das, was uns beigebracht wurde?
Wenn der emotional normal entwickelte Mensch einem anderen (nicht feststellbar schuldigen) Menschen schon den Knast und damit die soziale Ausgrenzung wünscht, was wünschen uns dann die emotional stark beeinträchtigten Menschen?
Versteht mich nicht falsch, es geht nicht um Entschuldigung, Rechtfertigung oder dergleichen. Es geht mir ausschließlich um mediale Verkühlung in unserer Gesellschaft. Da ist der Knastwunsch noch “human”….gelesen hab ich schon von Abstechen, Ausbluten, hinter dem Auto herzerren und dergleichen…..
Mal ehrlich: Unterscheidet sich der Wünscher noch vom Verwünschtem?
Und nochmal ehrlich: mir macht die Entwicklung unserer Mediengesellschaft Sorgen. Menschen bilden sich auf Grund von oberflächlicher, lächerlicher, verlustierender und gleichgültiger Berichterstattung ein Bild über andere Menschen, anstatt zu lesen, zu hinterfragen und sich mit Themen auseinander zusetzen.
Wo wollen wir eigentlich hin in unserer Gesellschaft???