Archiv | August, 2010

Mein Hirn platzt gleich

30 Aug

Kein Gedanke scheint noch in meinem Kopf Platz zu haben.

Hypothekarischer Haftungsverband, Sicherungshypotheken, Arrest, Urkundenprozess, selbstständiges Beweisverfahren, Laufzeitverlängerung von Kernkraftwerken, Abschaffung der Wehrpflicht, Einführung eines verpflichtenden sozialen Jahres, Überhangmandate, Genehmigung und Sicherheitsbestimmungen im Rahmen von Großveranstaltungen, Schadensersatzpflichten von Sicherheitsbehörden, Sicherungsverwahrung, Haftrecht.

Grundsätze der Verfahren, Einzelheiten in jedem Rechtsgebiet…..bitte abgestimmt auf die Prüfer.

Mir platzt der Schädel!

Jeden Tag zur gleichen Zeit (9.10 Uhr) eine Stunde Vorbereitung zum Aktenvortrag. 10 Minuten labbern und bitte die korrekte Lösung treffen. Fazit: ich klinge grausam. Ich schaue merkwürdig. Zu viel wissen, heißt zu viel erzählen zu wollen. Schwerpunktsetzung. Scheiße, wenn man alles in der Lösung angesprochen hat und dennoch über den 10 Minuten liegt. Kürzer, schneller – effektiver.

Verdammte scheiße! So langsam gehts mir auf die Nerven! Ich kann nicht alles wissen. Das Wissen soll mir mal einer präsentieren. Ich kann nur mein Bestes geben und wenn das eben nicht reichen sollte…..dann is das eben so.

Noch ein Wunsch: Kann es nicht endlich los gehen! Aber diesen Punkt erreicht wohl jeder Prüfling. 😕

Sklavenbericht Wahlstation

18 Aug

:mrgreen:

Wie ja nun mehrfach hier nieder geschrieben, habe ich meine Wahlstation bei der hiesigen Staatsanwaltschaft abgehalten. Noch ist sie eigentlich nicht beendet, da die Station bis 31.08. andauert. Da aber bereits am 02.09. die Mündliche wartet, habe ich seit Montag Lernurlaub. Heute kam das Zeugnis hier an, so dass ich besten Gewissens ein Abschlussfazit schreiben kann.

Sagen wir es mal so: die Station war geprägt von Licht und Schatten (wollt ich schon immer mal schreiben :mrgreen: ).

Ich habe viel lernen können. Kein juristisches Hochreck, aber dennoch nicht zu unterschätzendes Detailwissen. Erfahrungen, die man in der Pflichtstation nicht sammeln konnte. Dort bekam man meist ausermittelte Akten und sollte eine Abschlussentscheidung treffen. In der Wahlstation bekam ich die volle Bandbreite. Insbesondere auch dadurch, dass ich neben dem Amtsanwaltsdezernat auch noch für ein Allgemeines – bzw. Brandstiftungsdezernat gearbeitet habe.

Die Amtsanwaltschaft war gut, um schnelles (aber korrektes) Arbeiten von klein an zu lernen. Man guckt nämlich ziemlich doof aus der Wäsche, wenn der erste Stapel mit „Mach mal“ im Büro abgeliefert ist. Die Delikte sind nicht weiter dramatisch, aber wie geht man eigentlich genau ran. Was muss ich noch ermitteln, was darf ich nach den Opportunitätsvorschriften einstellen, was nicht. Was mach ich, wenn ich merke, es geht um Jugendliche/ Heranwachsende. Wie verfüge ich korrekt, effektiv und den internen Vorschriften entsprechend. Bitte benutzen Sie stets die korrekten Vordrucke! Och schade, da passt der Vordruck nicht *zerreiß*, neu machen, schnell, schneller, bis gestern. 😉

Das allgemeine Dezernat war anspruchsvoller im juristischen Bereich. Hier hatte ich vielleicht etwas „Pech“. So wirklich, kann ich das nicht einschätzen. Auf Deutsch mein Ausbilder hat mich regelrecht ausgeschlachtet. Ich habe in den 10 Wochen das 5fache an Akten weg gehauen, als meine Kollegin, die bei einer anderen Ausbilderin eingeteilt war. Dieses Dezernat und das Amtsanwaltsdezernat waren nicht auf einander abgestimmt, so dass ich an den meisten Tagen regelrecht in roten Akten erstickt bin. Dafür habe ich jedoch auch Haftprüfung und eine Wohnungsdurchsuchung mit erleben dürfen. Durchsuchungsanträge, Haftbefehle, Zeugenvernehmungen als Vernehmende….eben ein bunter Strauß an Nettigkeiten.

Das exzessive Einsetzen als Sitzungsvertreterin hat unheimlichen Spass gemacht. Nicht zuletzt fördert es ungemein die freie Rede und den Umgang mit überraschenden Momenten. Hier hat mir mein Ausbilder freie Hand gelassen, was ich als sehr angenehm empfand. Ok, diese Freiheit musste ich mir in einem Disput hart erkämpfen. Aber für Diskussionen sind Juristen ja nun geboren, nech.

Alles in allem muss ich wirklich zugeben, dass es hart war. Das rührte nicht zuletzt daher, dass mein Nervenkostüm in der Wartezeit auf die Ergebnisse recht blank lag. Zeit zum Lernen hatte ich in den 10 Wochen überhaupt keine. Auch das zerrte an den Nerven. Wochenendausflüge musste ich rigoros absagen. Es war einfach keine Zeit in Anbetracht der zu erledigenden Akten.

Sollte jemand die Staatsanwaltschaft als Wahlstation in Betracht ziehen, sollte er/sie sich darüber wirklich im Klaren sein. Ich wusste, was da auf mich zu rollt und dennoch saß ich manches Mal hier und habe mich gefragt, wie blöd ich eigentlich war, diese Station gewählt zu haben. Gerade eben auch, weil die Mündlichen unaufhaltsam näher rücken.

Andererseits fühle ich mich durchaus fit für meine Schwerpunktprüfung und das resultiert vorallem aus den 10 Wochen Wahlstation. Blöderweise besteht die Mündliche ja nicht nur aus Strafrecht – Licht und Schatten eben.

Besonders gefreut habe ich mich allerdings über folgenden Schlusssatz in meinem Zeugnis:

Mit ihrem angenehm selbstbewussten Wesen und ihren überdurchschnittlichen Rechtskenntnissen wird die Referendarin ihren „juristischen Weg machen“.

Na sein Wort in Gottes Ohr! :mrgreen:

Freakshow

17 Aug

Ich bin entsetzt und zwar von mir selbst. Dass ich keine Stimme wie Leona Lewis habe, habe bereits festgestellt. Aber muss es denn gleich DAS sein. 😮

Auslöser des Schreckens ist, dass ich mich heute beim Vortragen eines Aktenvortrages mal selbst gefilmt habe. (Nicht, dass ich mich vorher nie selbst gehört hätte, aber ich habe es zeitlebens auf ein Minimum reduziert.)

Großer Gott! DAS kann man doch keinem Menschen zumuten.

Ok, dass ich eine herbe Stimmengewalt habe, weiß ich wohl und liegt nicht zuletzt an meinem Nikotinkonsum. Allerdings hatte ich schon immer eine herbe Stimmlage, die mich von anderen Mädchen (mittlerweile Frauen) abgrenzte.

Nur eine Frage drängt sich auf: DAS müssen doch meine Ausbilder schon bemerkt und für schrecklich befunden haben!?!

Dat is ne echte Freakshow, was da auf Viedscho hab.

Meine Liebsten

8 Aug

Ich schmachte dahin…..zerflossen….im tiefsten Inneren gerührt.

Der Liebste nimmt es in seine Hand. Sagt am Tag meiner mündlichen Prüfung 2 Schöffenverhandlungen ab, bucht ein **** Hotel und fährt mit mir über Nacht zusammen in die Prüfungsstadt. Leidet und bangt mit mir.

Für das Stinketier ziehen meine Ellis in unsere Wohnung ein und sie werden sich um den „Enkelhund“ kümmern, wie nix gutes. Er ist in besten Händen und ich beruhigt.

Bei aller Liebe: wenn ich den Mann nicht schon „hätte“, müsste ich ihn mir krallen. Meine Ellis – meine Liebsten – mein Herz, mein Verstand und mein Leben. Das bedeutet mir sooooo viel! In Worte ist das kaum zu fassen. Ich bin sprachlos…..

♥ ♥ ♥

Die wichtigsten Stützpfeiler meines Lebens: meine Familie!

Und schon wieder sitz ich hier heulend. Vor Glück.

Geladen

7 Aug

Heute kamen die Ladungen zur Mündlichen.

Ich bin am 02.09.2010 um 8 Uhr fällig.

Ich denke, ich bin ganz zufrieden. Der Aktenvortrag wird im öffentlichen Recht laufen. So ganz ehrlich, weiß ich momentan nicht, ob mir das gefällt oder nicht. Ö-Recht lag mir immer. Ob das immer noch so ist, vermag ich momentan nicht zu beurteilen. Allerdings habe ich davor weniger Angst als vor einem zivilrechtlichen Aktenvortrag mit Einschlag InSO oder Erbrecht oder ähnlichem.

Dazu kommt, dass ein bestimmter Prüfer nicht in meiner Prüfung sitzt. Gott….was hab ich darum gebettelt.

Ja doch….ohne die Prüfer in dieser Funktion zu kennen. Es ist erstmal in Ordnung so.

Nun heißt es ranklotzen. Wenn nur nicht…..ja wenn nur nicht. Noch habe ich hier 16 Schätzchen meines Ausbilders liegen, die ich bis Ende der Woche zusätzlich zu Sitzungsdienst und Amtsanwaltsdezernat wegkloppen muss. Ein bißchen mehr Feingefühl…..naja……auch egal. Nicht vorhanden, abhaken und abarbeiten.

Ab 16.08. befinde ich mich dann also im Ausnahmezustand für die Mündliche.